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Lockheed 10 Electra kehrt nach Jahrzehnten heim nach Tschechien

- von Stefan Schmoll -

Mit einer Lockheed 10 Electra - übrigens der derzeit einzigen weltweit fliegenden - mal eben den Atlantik überqueren, das ist schon ein echtes Abenteuer. Eine engagierte Crew um die beiden tschechischen Piloten Milan Vacik und Nikola Lukacovic wagte im Mai dieses Jahres das Abenteuer und erlebten eine ganz besondere Reise. Und an dieser Reise wollen wir Sie teilhaben lassen.

Los ging die Reise am 20.Mai in Hamilton, Heimat der http://www.warplane.com/ (Canadian Warplane Heritage). Hier war die Electra für einige Wochen Gast nach Überführung aus Kansas, wo sie in den letzten Jahren restauriert worden ist. Tagesziel war nach rund 1800 Kilometern Flugstrecke Kuujjack.
In Kanadas Norden geht es noch zünftig zu. In Kuujjack wurde die Maschine aus Fässern betankt. Am nächsten Morgen flog die Electra zum Zwischenstopp nach Iqualuit - einem der letzten Außenposten Kanadas. Dort legte die Crew die für lange Wasseretappen obligatorischen roten Survivalanzüge an und schon ging es über die Davisstraße nach Nuuk in Grönland.
Abends am 21. Mai landete die Electra im grönländischen Nuuk. Milan und Nikola waren glücklich, aber todmüde nach den beiden ersten langen Tagen im Cocpit. So kam es ihnen gar nicht so ungelegen, dass sie wegen des schlechten Wetters einen Tag in Nuuk pausieren mussten.

Während sich die Piloten erholen konnten, führten die beiden Mechaniker Jarda und Vaclav notwendige Wartungsarbeiten an der Electra durch. Dabei wurde ein kleines Leck an der Ölleitung im linken Motor gefunden - und umgehend fachmännisch repariert.

Mit den roten Survivalanzügen kommt man auch in Grönland noch ins Schwitzen: Jarda und Vaclav bereiten die Motoren der Electra für den Start vor - das Motoröl muss schließlich in allen Zylindern verteilt werden
Die Häuser in Nuuk sind sehr farbenfroh - was Angesichts des vielen Schnees nicht verwunderlich ist. Nach dem Tag Zwangspause fliegt die Crew ihre Maschine entlang der Südküste auf die Ostseite der weltgrößten Insel. Eine Überquerung von Grönlands riesiger Eiswüste wäre zwar kürzer, aber ungleich riskanter?..

... und außerdem hatten Milan und Nikola wahnsinnig viel Freude, die imposante Küstenlinie Grönlands zu erkunden.

Mit https://www.windyty.com hatte die Crew ein perfektes Mittel zur Wetterbeobachtung auf der Strecke zur Verfügung. Entwickelt wurde die Seite übrigens von Nikola´s Bruder Ivo!

Über Island ging es mit viel Rückenwind weiter Richtung Kontinentaleuropa. Im schottischen Wick wurden die Anzüge abgegeben - die Wasseretappen waren geschafft! Da Milan über Facebook regelmäßig berichtete und die zahlreichen Fans die Reiseroute mittels Livetracker verfolgen konnte, wuchs auch die Stimmung der Luftfahrtfans bei jedem Kilometer Richtung Süden.
Tagesetappe am 25. Mai war das britische Duxford, wo bereits einige Zaungäste am Abend auf die Crew wartete. Am nächsten Mittag pausierte die Electra kurz in Lelystad. Vor dem historischen Empfangsgebäude des Aviodrome Museums waren natürlich großartige Fotos möglich.
Wir haben uns mit der Crew auf dem Siegerlandflughafen verabredet, wo sie am Spätnachmittag eintraf. Zuerst landete jedoch diese Cessna Citation - die Supportmaschine während der Atlantiküberquerung.
... Und dann schwebte sie ein: Die weltweit einzige fliegende Lockheed 10 Electra. Es war schon ein erhebender Moment, diese Landung erleben zu dürfen. Wenige Tage vorher war sie noch auf dem amerikanischen Kontinent?.
... Und jetzt rollte dieses wunderschöne Flugzeug wenige Meter hinter uns zur Parkposition.
Die Dornier 27 ist ein tolles Fotoflugzeug. Wir hatten an dem Tag die D-EWRG aus Ober-Mörlen zur Verfügung.
Nur noch eine Tagesetappe von Prag entfernt: Vaclav, Milan, Nikola und Jarda.

Christian Bramkamp teilt unsere Leidenschaft für die historische Luftfahrt und organisierte den Fotoflieger für das Shooting. Einige seiner Arbeiten können Sie hier sehen http://web.christian-bramkamp.com/

Ein professionelles Briefing benötigt keinen Briefingraum!
Was für eine Eleganz. Die Lockheed Electra gilt nicht umsonst als eine der Luftfahrtikonen der dreißiger Jahre. Ab 1935 wurden 149 Exemplare gebaut, von denen derzeit genau ein Exemplar weltweit flugklar ist!
Und wenn Sie sich fragen, warum die Maschine ausgerechnet eine tschechische Kennung trägt: Es handelt sich bei ihr um das ehemalige Firmenflugzeug der Bata Schuhwerke. Ein tschechischer Unternehmer hat sie vor einigen Jahren in den Vereinigten Staaten entdeckt und sie von Grund auf renovieren lassen.
Die Mischung macht's: Trotz aller Authentizität gehören in den Flieger natürlich auch moderne Instrumente. Bei aller Liebe zum Detail wäre es doch töricht, ohne moderne Avionik den Atlantik im Flug überqueren zu wollen.

Die Kabine der OK-CTB allerdings ist historisch exakt rekonstruiert worden.

Von den 149 gebauten Exemplaren haben bis Heute rund ein Dutzend überlebt. Im Londoner Science Museum ist eine zu bestaunen. Sie fliegt zwar auch, aber nur in der großen Galerie des Londoner Haupthauses.
Pure Eleganz! In der Maschine konnten bis zu 10 Passagiere befördert werden. Ursprünglich war sie als Konkurrenz zur Douglas DC-2 geplant. Aber gegen die dann folgende wesentlich größere Douglas DC-3 konnte sich die Electra nicht durchsetzen.

Lockheed verkleinerte die Maschine zum Modell 12 Electra Junior. Von dieser der Beech 18 nicht unähnlichen kleineren Electra wurden noch mal 130 Exemplare gebaut.

Eines der wenigen erhaltenen Exemplaren fliegt jetzt wieder in Frankreich.

Ankunft in Prag Tocna unter großem öffentlichen Interesse. Künftig hat sie hier http://www.tocna.cz ihre neue Heimat. Aber Milan und Nikola versicherten uns, dass sie nicht im Hangar verstauben wird. Sie soll künftig auf ausgesuchten Veranstaltungen präsentiert werden.

Den Anfang machte gleich Anfang Juni die berühmte Airshow in Pardubice. Natürlich gehörte die blank polierte Electra zu den begehrtesten Klassikern des großen Teilnehmerfeldes.

Mit großem Dank an Christian, Nikola und Milan, ohne deren Hilfe diese Reportage nicht möglich geworden wäre!
 

 

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