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Luftfahrt - Firmenportraits

GippsAero Pty Ltd.

 - von Hartmut Seidel 06/2011- 

Wir vom AirVenture-Team haben ja seit 2001 bereits viermal die Australian International Airshow auf dem Avalon Airport im australischen Bundesstaat Victoria besucht. In unseren ausführlichen Berichten über diese große und interessante Flugshow und Luftfahrt-Verkaufsmesse haben wir auch immer wieder die australische Firma Gippsland Aeronautics erwähnt, die ein sehr leistungsfähiges und robustes "Buschflugzeug" entwickelt hat und in Serie produziert : Den Gippsland Aeronautics GA8 Airvan. Der beträchtliche weltweite Erfolg dieses noch ziemlich neuen Flugzeugtyps hat uns schon die ganze Zeit über neugierig darauf gemacht, mal etwas mehr über den Airvan und die Herstellerfirma Gippsland Aeronautics zu erfahren. Im Jahre 2010 hatte AirVenture-Mann Hartmut Seidel schließlich die Gelegenheit, die Fertigungseinrichtungen von Gippsland Aeronautics in Australien zu besuchen und von den sehr freundlichen Mitarbeitern des Unternehmes Informationen aus erster Hand zu erhalten.

Die Anfänge von Gippsland Aeronautics reichen bis in das Jahr 1977 zurück, als Peter Furlong eine Firma gegründet hat, die zunächst nur auf Flugzeugwartungs- und Umbauarbeiten spezialisiert gewesen ist. Im Jahre 1984 ist George Morgan als Co-Direktor in das Unternehmen eingetreten. Das Jahr 1984 gilt als das eigentliche Gründungsdatum der Firma Gippsland Aeronautics Pty Ltd. Im Laufe der Zeit wurden von Gippsland Aeronautics viele Wartungs- und Modifizierungsarbeiten an Agrarflugzeugen durchgeführt, hierbei vor allem an dem amerikanischen Flugzeugtyp Piper Pawnee. Mehrere Piper Pawnees wurden von Gippsland Aeronautics so stark umgebaut, daß die australische Firma hieraus schließlich einen neuen Flugzeugtyp entwickelt hat : Die Gippsland Aeronautics GA200. Die Maschine wurde in einer kleinen Serie gebaut.

Der eigentliche Erfolg als Flugzeughersteller begann für Gippsland Aeronautics dann aber mit dem Bau des einmotorigen Mehrzweckflugzeugs GA8 Airvan. Die Idee zur Konstruktion dieser Maschine kam im Jahre 1993 auf und bereits zwei Jahre später konnte ein Airvan-Prototyp zu seinem Erstflug starten. Im Oktober 2000 erhielt der Airvan die volle Zulassung der australischen Zivilluftfahrtbehörde "CASA" ( = Civil Aviation Safety Authority ). Im Dezember 2000 wurde der erste Airvan an einen Kunden in Australien ausgeliefert und im Dezember 2001 konnte dann auch schon zum ersten Mal ein Airvan ins Ausland exportiert werden.

Vor kurzer Zeit ist die indische Firma Mahindra Aerospace bei Gippsland Aeronautics mit eingestiegen, was zu einer Namensänderung führte : Aus Gippsland Aeronautics wurde jetzt die GippsAero Pty Ltd. Wie in unserem Bericht gleich zu sehen ist, befindet sich der Airvan aber auch unter diesem neuen Namen weiterhin sehr erfolgreich in der Serienproduktion, was GippsAero bereits auf einige zusätzliche Ideen für weitere Versionen des Airvan gebracht hat. Auch hat man bei GippsAero ein sehr interessantes Zukunftsprojekt ins Auge gefasst. Hierzu gibt es gleich ebenfalls mehr Informationen in unserem ausführlichen Fotobericht :
Die Fertigungseinrichtungen der Firma GippsAero befinden sich auf dem Latrobe Valley Airport bei Morwell im australischen Bundesstaat Victoria, etwa 150 Kilometer östlich von Australiens zweitgrößter Stadt Melbourne. Morwell liegt in der Region Gippsland, was den ursprünglichen Namen des Unternehmens "Gippsland Aeronautics" erklärt.
Dieser im Bau befindliche Turbocharged Airvan GA8-TC 320 ist für den "Mission Aviation Fellowship" ( MAF ) bestimmt, der bereits eine ganze Reihe von Airvans in Dienst gestellt hat und ein guter Kunde von GippsAero ist. Bei dem Mission Aviation Fellowship handelt es sich um einen humanitären nicht kommerziellen christlich motivierten Flugdienst, der vor allem Hilfsflüge in Entwicklungsländern durchführt.
Das erste Produkt der Firma Gippsland Aeronautics war das Agrarflugzeug GA200, eine Weiterentwicklung der amerikanischen Piper Pawnee. Von den insgesamt 45 gebauten Gippsland Aeronautics GA 200 wurden 28 Maschinen ins Ausland exportiert, darunter auch diese ältere GA200 hier, aufgenommen im Jahre 2005 in Blenheim / Neuseeland.

Unter dem Rumpf des MAF-Airvan ist ein "Cargo Pod" Frachtbehälter mit einer Nutzlastkapazität von 200 Kilogramm angebracht, mit dem auf Wunsch des jeweiligen Kunden alle Airvans ausgerüstet werden können.

Eine Maschine der neueren und verbesserten Version des Agrarflugzeugs Gippsland Aeronautics GA200 mit der Bezeichnung "GA200 C". Gegenwärtig ruht die Produktion der GA200. Sobald die weltweite Nachfrage nach Agrarflugzeugen wieder steigt, kann aber die Herstellung dieses Flugzeugtyps bei GippsAero wieder aufgenommen werden.
Bis zum 20.12.2010 sind von Gippsland Aeronautics bzw. GippsAero schon insgesamt 157 Airvan gebaut worden. Mehr als die Hälfte dieser Flugzeuge wurde ins Ausland geliefert. Der größte Exportkunde mit 16 beschafften Maschinen ist bisher die amerikanische USAF Auxiliary Civil Air Patrol ( CAP ). Dieses Foto zeigt einen solchen Airvan im Static Display der Australian International Airshow 2005
Zur Zeit konzentriert man sich in den Fertigungshallen von GippsAero Pty Ltd auf dem Latrobe Valley Airport in Australien ganz auf die Produktion des Mehrzweckflugzeugs GA8 Airvan. Bei der Entwicklung des mit acht Sitzen ausgestatteten Airvan hatte man bei Gippsland Aeronautics gezielt Kunden im Auge, denen einerseits Maschinen wie die sechssitzige Cessna 206 Stationair zu klein sind, für die aber andererseits größere Flugzeuge wie zum Beispiel die mit Turboproptriebwerk ausgerüstete zehnsitzige Cessna 208 Caravan zu teuer sind.
Seit einigen Jahren befindet sich auch in Deutschland ein GA8 Airvan im Dienst. Die Maschine gehört der OLT ( Ostfriesische Lufttransport GmbH ) und wird im Seebäderdienst und für Touristenrundflüge eingesetzt. Das Foto zeigt den OLT-Airvan im April 2008 auf der deutschen Nordseeinsel Borkum.
Der GippsAero GA8 Airvan ist zwar wie schon gesagt in erster Linie als robustes und wirtschaftliches "Buschflugzeug" für den Personen- und Materialtransport unter schwierigen Bedingungen in entlegenen Gebieten gedacht, kann aber natürlich auch für eine Vielzahl von anderen Aufgaben vewendet werden, wie zum Beispiel als Absetzmaschine für Fallschirmspringer. Auch eignet sich der Airvan durch seine Hochdeckerbauweise und der dadurch ermöglichten freien Sicht nach unten besonders gut für Touristen-Rundflüge. Die maximale Nutzlast-Zuladung des Airvan beträgt 800 Kilogramm.
Während meines Besuchs bei Gippsland Aeronautics in Australien im April 2010 wurde dort gerade dieser GA8-TC 320 Turbocharged Airvan für einen Flug um die Welt ausgerüstet. Diese Weltumrundung stand unter dem Motto "Millions against Malaria", da im Rahmen dieses Fluges Spenden zur weltweiten Bekämpfung der Malaria-Krankheit gesammelt wurden. Gippsland Aeronautics und Mahindra Aerospace waren die Hauptsponsoren für diesen Flug.
Als Triebwerk für das Grundmodell des Airvan wird der 305 PS starke Lycoming IO-540-K1A5 Motor verwendet. Seit einiger Zeit befindet sich auch eine mit Turbolader ausgerüstete Version des Airvan in Produktion. Die Triebwerke für diesen "Turbocharged Airvan" tragen die Bezeichnung Lycoming TIO-540-AH1A und haben eine Leistung von 325 PS.
Blick in das Cockpit des Weltumrundungs-Airvan mit dem Kennzeichen "VH-BYI". Der Flug um die Welt mit dieser Maschine wurde am 8. Juli 2010 erfolgreich abgeschlossen. Mit etlichen Zwischenlandungen wurden hierbei über 50.000 Kilometer zurückgelegt ! Es war dies übrigens die erste Weltumrundung in einem Flugzeug, welches komplett in Australien entwickelt und gebaut worden ist.
Während die Maschinen der Grundversion des Airvan Zweiblattpropeller haben, sind die mit Turbolader ausgestatteten Airvans serienmäßig mit Dreiblattpropellern ausgerüstet. Die Maschinen dieser Version tragen die genaue Bezeichnung GA8-TC 320, wobei das "TC" für "Turbocharged" steht.

Neben der Montage des GA8 Airvan in der Grundversion und der hier zu sehenden Turbocharged-Ausführung werden die derzeit 110 Mitarbeiter von GippsAero vermutlich schon bald noch eine ganze Menge mehr zu tun bekommen, denn GippsAero hat für die nahe Zukunft noch einiges vor. So ist es geplant, den Airvan künftig auch in mit Schwimmern und Skiern ausgerüsteten Varianten anzubieten. Ausserdem arbeitet man bei GippsAero bereits an dem Prototyp einer mit Turboproptriebwerk ausgestatteten zehnsitzigen Weiterentwicklung des Airvan mit der Bezeichnung GA10.

Es ist interessant sich mal genau anzusehen, wieviele unterschiedliche Bauteile in etlichen Arbeitsschritten erst einmal hergestellt und dann präzise montiert werden müssen, bis daraus schließlich ein komplettes Flugzeug entsteht. Hier werden gerade die Tragflächen für den GA8 Airvan gefertigt.
Ein weiteres Zukunftsprojekt von GippsAero ist die geplante Wiederaufnahme der Herstellung des zweimotorigen australischen Mehrzweckflugzeugs "Nomad", von dem in der Zeit von 1971 bis 1984 insgesamt 172 Maschinen in den damaligen Government Aircraft Factories ( = GAF ) gebaut worden sind. GippsAero möchte diesen Flugzeugtyp in einer deutlich modernisierten Variante als "Next-Generation Nomad" unter der Bezeichnung Airvan GA18 neu produzieren. Dieses Foto zeigt eine alte GAF Nomad, aufgenommen 1996 in Neuseeland.
Ein Airvan-Sitz noch ohne Polsterbezug. Bei der Konstruktion des Airvan wurde sehr großer Wert auf Sicherheit gelegt. So sind die in den Airvan eingebauten Sitze besonders bruchfest und übertreffen hierbei sogar noch die neuesten Standards für "Crashworthiness".
Zusätzlich zum Bau des selbstentwickelten Flugzeugtyps GA8 Airvan und der Arbeit an den diversen Zukunftsprojekten ist die Firma GippsAero übrigens auch immer noch in ihrem ursprünglichen Betätigungsfeld der Flugzeugwartung- und Modifizierung tätig. So werden zum Beispiel von GippsAero Modifizierungsarbeiten zur Verlängerung der Lebensdauer der Tragflächenholme an Flugzeugen vom Typ Piper PA-31 Navajo und Navajo Chieftain vorgenommen. Dieses "Wing Spar Life Extension Program" wurde bisher schon an über 100 Maschinen dieses Typs durchgeführt.
Hier geht es zur offiziellen Internetseite des Flugzeugherstellers GippsAero Pty Ltd in Australien : www.gippsaero.com
 

 

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