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Eine neue Bf 109 bereichert die europäische Airshowszene

- ein Bericht von Gerhard Schmid und Thomas Fedor -

Während man in den USA und England erfreulicherweise eine langsame aber stetige Zunahme der flugfähigen Warbirds aus den 30er und 40er Jahren beobachten kann, sind einsatzfähige Flugzeuge aus deutscher Produktion traditionell sehr rar. Einige glückliche Airshowbesucher hatten in den vergangenen Jahren Gelegenheit, eine der beiden Bf 109 der Messerschmitt Stiftung in der Luft zu sehen. Unglücklicherweise sorgen jedoch immer wieder technische Probleme für einen Verbleib der Maschinen in den Hangars.

Lange Zeit gab es nur Gerüchte um eine in Restaurierung befindliche Bf 109 in Deutschland, seit der offiziellen Vorstellung am 8. Oktober herrscht endlich Gewißheit: Die Haltergemeinschaft "Messerschmitt Air Company" (MAC) hat es in siebenjähriger Arbeit geschafft, den Standardjäger der deutschen Luftwaffe im zweiten Weltkrieg flugfähig zu restaurieren. Europäische Warbirdfans dürfen sich auf die Airshowsaison 2005 mit einer flugfähigen Messerschmitt Bf 109 G-4 freuen.

Wer einmal den Klang eines hubraumgewaltigen Daimler-Benz Flugmotors gehört hat, der weiß warum Warbirdfans dabei glasige Augen bekommen. Hubraum ist einfach durch nichts zu ersetzen und ein DB 605 stellt dieses Grundgesetz mit seinen 35,7 Litern eindrucksvoll unter Beweis. Anders als die alliierten Gegenstücke sind Flugmotoren von Daimler-Benz heute eigentlich nicht mehr verfügbar. So war es der Maschinenbautechniker Siggi Knoll, der durch jahrzehntelanges Sammeln und Restaurieren von Flugzeugteilen über einen lauffähigen DB 605A und damit über eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Projekt Bf 109 verfügte.

Als Siggi Knoll im Oktober 1997 in Augsburg die Überreste einer spanischen Hispano HA 1112 M-1L "Buchon" begutachtete, rückte der Traum von einer flugfähigen Maschine in greifbare Nähe. Nach unverzüglicher Rücksprache mit den Fliegerfreunden Wilhelm Heinz jun., Wilhelm Heinz sen., Dieter Beck und Werner Grammel wurde kurz entschlossen die Haltergemeinschaft MAC gegründet und die "Buchon" gekauft. Die 1950 mit der Seriennummer 139 gebaute HA 1112 hatte ein bewegtes Leben hinter sich, unter anderem diente sie als Darsteller in dem bekannten Film "Luftschlacht um England". Es folgten einige Umbauten, z. T. für andere Filmprojekte, später wurde die Maschine in die USA verkauft, mehrfach bei Flugunfällen beschädigt und wieder repariert, ehe sie in Augsburg landete. Und dort angekommen konnte von Flugtauglichkeit nicht im entferntesten die Rede sein.

Spezialisierte Betriebe und enthusiastische Helfer aus dem In- und Ausland lieferten in den sieben Jahren der Restaurierung eine Vielzahl an Einzelteilen um unbrauchbare Teile der HA 1112 zu ersetzen. Als der Rumpf im Jahr 2000 fertiggestellt war, installierten die Helfer Gerhard Hibbeler und Ulrich Wesner die Ausrüstung. Weitere Unterstützung erfolgte später durch Helmut Röhm. Insbesondere der Umbau des vorderen Rumpfes gestaltete sich schwierig, denn die Verkleidung des hängend eingebauten DB 605 mußte teilweise neu gefertigt und an Originalteile angepasst werden.

Entgegen dem ursprünglichen Vorhaben eine Bf 109 G-6 zu bauen, entschied sich die MAC für die Version G-4. Diesem Typ fehlen zwar die charakteristischen Beulen, was sich jedoch positiv auf die Sicht nach vorn und damit auf die Sicherheit auswirkt. Einige andere Details weichen zur größeren Sicherheit leicht von der originalen G-4 ab, was jedoch äußerlich kaum zu erkennen ist. Der Anstrich der "rote 7" mit den Standard-Tarnfarben RLM 74/75/76 ist realistisch, entspricht jedoch keinem konkreten Vorbild. Zu Ehren des Konstrukteurs der Bf 109, Willy Messerschmitt, trägt die Maschine das Kennzeichen D-FWME.

Anfang 2004 war die Maschine dann nahezu fertiggestellt und die ersten Testläufe und Rollversuche konnten unternommen werden. Kleinere Nachbesserungen wurden vorgenommen und die Endabnahme erfolgte am 12. Juni 2004. Mit der anschließenden Erteilung der vorläufigen Verkehrszulassung begann dann am 23. August 2004 die Flugerprobung durch den erfahrenen Testpiloten Walter Eichhorn. In den folgenden zwei Wochen folgten weitere vier Flüge und anschließend wies Walter Eichhorn die Piloten der MAC ein.

Der Öffentlichkeit wurde die "rote 7" am 8. Oktober 2004 auf dem Flugplatz Albstadt-Degerfeld vorgestellt. Im Anschluß an die festlichen Ansprachen verschiedener Redner konnten mehrere hundert Besucher bei nicht ganz optimalem Wetter zwei Flüge der dritten flugfähigen Bf 109 Deutschlands bestaunen. Und für alle, die an diesem Tag nicht in Albstadt-Degerfeld waren: An der Zulassung von Maschine und Piloten für Airshows wird gearbeitet. Sobald uns erste Veranstaltungstermine mit der "rote 7" bekannt sind, werden diese veröffentlicht.

Das AirVenture Team bedankt sich bei Herrn Wilhelm Heinz für die Einladung und die Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünschen wir dem MAC Team viele erfolgreiche Flüge mit der "rote 7".

Daimler Benz Interessante Vorträge und Reden, wie hier von Miteigentümer Werner Grammel, offenbarten dem Publikum Blicke in die Vergangenheit und in die Schwierigkeiten, die dem MAC Team bei der siebenjährigen Restaurierung begegneten.
flyby Das graue Wetter mit gelegentlichen Regenschauern konnte die Begeisterung der Besucher nicht dämpfen. Die erste Vorführung wurde geflogen von Wilhelm Heinz.
Startvorbereitung Im Anschluß an die Vorträge beginnt Gerhard Hibbeler mit den Vorbereitungen für den praktischen Teil der Präsentation.
Maßstab 1:3 In der Pause zwischen den beiden Flugvorführungen tauchte plötzlich eine zweite 109 auf. Kaum vom Original zu unterscheiden wurde ein ferngesteuertes Modell vorgeflogen. Unter dem Bauch hängt keine Bombe sondern ein Abwurftank.
Rollout Der erste öffentliche Roll Out. Bei einsetzendem Regen bugsierte die MAC Bodencrew die Bf 109 aus dem Hangar.
flyby Zur großen Freude der Zuschauer startete die "rote 7" am späteren Nachmittag zu einem zweiten Flug - diesmal mit Walter Eichhorn im Cockpit. Er hatte nach vollendeter Restaurierung auch die ersten Testflüge unternommen.
Me 109 G-4 Der Propeller ist  aus Holz und wurde in Einzelfertigung vom Propellerspezialisten Hoffmann Propeller aus Rosenheim gebaut.
flyby Ca. 300 Stunden auf Bf 109 hat Walter Eichhorn in seinem Flugbuch stehen. Er fliegt auch die beiden Maschinen der Messerschmitt-Stiftung.
Crew Die MAC Crew, bestehend aus: (von links) Helmut Röhm, Gerhard Hibbeler, Siggi Knoll, Ulrich Wesner, Wilhelm Heinz und Werner Grammel. Ganz rechts Walter Eichhorn, der die ersten Testflüge der "rote 7" und die Einweisung der MAC Piloten durchführte.
Fly by Zur großen Freude der Fans zeigte Walter Eichhorn einige tiefe Überflüge. Über dem engen, von Wald umsäumten Flugplatz Albstadt-Degerfeld kam da eine ganz besondere Stimmung auf.
Wilhelm heinz und Ulrich Wesmer Die Vorfreude ist ihm deutlich anzusehen - Wilhelm Heinz, Miteigentümer der Bf 109 nimmt für die erste Vorführung des Tages im engen Cockpit Platz. Ulrich Wesner hilft beim Anschnallen im engen Cochpit.
Und los gehts Mit einer perfekten Landung schloß Walter Eichhorn die Vorführung und damit den Freiluft-Teil des Tages ab.
Motor läuft Ohne Murren sprang der DB 605 auf Anhieb an. Keine Ölwolke, kein Stottern, keine Fehlzündungen - eine Meisterleistung von Motorenspezialist Siggi Knoll.
Band Nach den Flugvorführungen kam die "rote 7" wieder zurück in die Halle, wo die geladenen Gäste schon mit Speis' und Trank erwartet wurden. Eine Jazzband sorgte für Unterhaltung.
Start Frei! Bereits nach einem Drittel der Bahn ist die "rote 7" in der Luft. Deutlich sind die geteilten Klappen zu sehen.
Sahneschnitten Eigentlich zu schade zum Anschneiden war diese Torte. Ihr vorbestimmtes Schicksal blieb ihr dennoch nicht erspart. Dies dürfte eines der letzten Bilder im unberührten Zustand sein...

Und hier noch etwas für die Ohren - Ein Kurzvideo und Tonaufnahmen von der "rote 7":

Anlassen Audio

Überflug 1 Audio

Überflug 2 Audio

"rote 7" Video

 

 

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