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Oshkosh 2013

- von Stefan Schmoll -

Antiques in Oshkosh

Als "Antiques" werden in Oshkosh die - zivilen - Luftfahrzeuge aus der Zeit bis August 1945 gewertet. Mehr als 800 zivile Klassiker (bis Baujahr 1955) der Luftfahrtgeschichte nahmen am diesjährigen Airventure-Meeting teil, wobei gerade aus den dreißiger Jahren viele in Europa komplett unbekannte Flugzeugtypen aus den amerikanischen "Goldenen Jahren der Fliegerei" präsentiert worden sind.

Die "Vintage Aircraft Association" - eine Unterabteilung der EAA - rief zum Round Engine Rodeo auf und so waren in diesem Jahr besonders viele der seltenen Klassiker mit Sternmotoren zu sehen.

Round Engine Rodeo auf amerikanisch. Mitten in der Reihe kann man eine Stearman Kaydett erkennen. All die anderen Typen der amerikanischen Fliegerei sind hierzulande ziemlich unbekannt. Umso spannender war es, in Oshkosh all diese Flugzeugtypen kennenzulernen!

Viele der früheren Preisgewinner waren auch in diesem Jahr in Oshkosh wieder zu bewundern. Bei einigen der Maschinen handelt es sich um die letzten erhaltenen Exemplare ihrer Art.

Es ist einfach großartig, dass man beim Airvenure ohne jede Barriere auskommt und man sich die wertvollen Flugzeuge aus nächster Nähe ansehen kann.

250 Exemplare von der Consolidated PT-3 wurden ab 1927 als Militärtrainer für die amerikanische Armee gebaut. Sie ersetzte die legendäre Curtiss Jenny und wurde später durch die noch legendärere Stearman Kaydett abgelöst.

Die N31PT gehört zum örtlichen EAA Museum und wurde in den neunziger Jahren um einige erhaltene Wrackteile neu aufgebaut.
Die Beech 17 war der Businessjet der dreißiger Jahre. Bis zu fünf Passagiere konnten in der "Staggerwing" mit 300 km/h Reisegeschwindigkeit über 1600 Kilometer befördert werden. Durch ihre Aerodynamik und besonders durch das damals neue Einziehfahrwerk setzte die Beech 17 1932 neue Maßstäbe im Flugzeugbau.

Die Cessna 165 NC237E ist mit Baujahr 1940 eine der letzten gebauten Exemplare. Kurz darauf wurde die Produktion zu Gunsten der wesentlich moderneren Metallflugzeuge Cessna120/140 eingestellt. Insgesamt verließen 228 Cessna 165 die Produktion in Wichita. In Deutschland dürfte bald wieder ein Exemplar dieses seltenen Hochdeckers zu bewundern sein.

Sie könnte auch als modernes Ultralight-Flugzeug durchgehen, die Aeronca C-3 aus dem Jahr 1931. Mit ihrem 36 PS Motor konnte sie zwei Personen mit einer Geschwindigkeit von 150 km/h befördern ? ein wahrlich günstiges amerikanisches Volksflugzeug, von dem rund 400 Exemplare gebaut worden sind.

Kreider-Reisner baute in den zwanziger Jahren einige Doppeldeckertypen, darunter auch diese KR-21, welche sich im Besitz des EAA Museums befindet. Vor der "großen Depression" wurden lediglich fünf Exemplare fertig gestellt, wobei die NC954V. das einzige erhaltene ist. Die Firma machte 1929 Bankrott und ging in Fairchild auf.

Ein echter Exot in Oshkosh war die de Havilland DH-80 Puss-Moth, die auf dem amerikanischen Kontinent eine wirkliche Rarität ist. Und auch die N223EC "CF-AVA" wurde kürzlich von einem Briten erworben, der sie bald wieder in England fliegen möchte. Das Museum in Old Rhinebeck/NY besitzt das einzige andere amerikanische Exemplar dieses britischen Klassikers.

Mit Baujahr 1946 passt die Funk B85C N77727 zwar nicht mehr ganz zu den "Antiques", wurde sie doch "Grand Champion" in der Classics-Abteilung. Der Typ wurde aber schon 1933 entwickelt. Bis 1948 wurden 380 Exemplare dieses Hochdeckers mit Metallrumpf und bespannten Holzflächen gebaut.

Sie ist ein wahrer amerikanischer Klassiker aus den dreißiger Jahren: Stabil gebaut, Außen elegant und Innen luxuriös - das ist die Howard DGA-15. DGA steht übrigens für "Damm Good Airplane"!

Sie wurde aus dem Rennflugzeug DGA-6 entwickelt. Für die Qualität des Entwurfs spricht, dass von den rund 500 gebauten Exemplaren noch immer mehr als 100 in den Vereinigten Staaten zugelassen sind. Auch in Deutschland befindet sich ein Exemplar der DGA-15 in Restauration.
Aus dem Jahr 1929 stammt die Mono MonoSport N4799E, einem weiteren Preisträger in Oshkosh. Sie ist das einzige erhaltene von 16 gebauten Exemplaren und wird in der bekannten Aviation Community von Creve Coeur in Missouri betrieben. Infos dazu finden Sie hier: www.historicaircraftrestorationmuseum.org
Rund 120 Exemplare der Spartan C3 wurden zwischen 1928 und 1930 in Tulsa/Oklahoma gebaut. Unter den wenigen erhalten Exemplaren gehört diese mit einem 225 PS starken Wright J-6 Motor ausgerüstete N720N.
Während die Beech 17 oft als früher Business-Jet bezeichnet worden ist, kann die Spartan 7W Executive durchaus als "Fliegender Rolls-Royce" bezeichnet werden. Ganze 34 Exemplare wurden zwischen 1936 und 1940 gebaut und kosteten damals unglaubliche 23.500,- US$ - fast 10.000,- US$ mehr als die Staggerwing!

Filmstars und gekrönte Häupter gehörten zu den Kunden dieses sehr exklusiven Flugzeugs. Und man ging sehr vorsichtig mit ihnen um. Noch immer sind 21 Exemplare in den Vereinigten Staaten zugelassen, dazu kommen mehrere statisch erhaltene Spartan Executive in Museen. Seit einigen Jahren fliegen sogar zwei dieser Maschinen im britischen Little Gransden unweit Cambridge!

Die Stearman 4 Speedmail wurde Ende der zwanziger Jahre als Postflugzeug entwickelt. Sie konnte 2 Passagiere oder etwa 270 Kg an Fracht über eine Strecke von 1.000 Kilometer befördern.

Die NC667K von Sarah Wilson ist in Florida beheimatet und die älteste erhaltene von 41 gebauten Exemplaren der Stearman 4 Speedmail.
Die Stearman 4E Speedmail Special NX623YT ist eine ganz besondere: Das riesige Fahrwerk stört etwas, und auch ansonsten schaut die Maschine ungewöhnlich aus. Des Rätsels Lösung: Steven Sorge nahm die Zelle einer Stearman Kaydett und baute sich vor einigen Jahren daraus seine ganz spezielle "Speedmail". Historische Puristen mögen die Nase rümpfen, aber die Maschine sieht wirklich großartig aus und ist ein toller Hingucker.
Die Stinson 6000 NC11153 wurde 1931 gebaut und gehört Heute neben der Ford Tri-Motor zu den ältesten noch fliegenden Airlinern. Von den knapp 80 gebauten Exemplaren sind bis Heute noch zwei erhalten geblieben. Die Fantasy of Flight Sammlung in Florida besitzt mit der NC11170 dieses zweite Exemplar.

Die Stinson Junior S war 1928 eines der ersten Flugzeuge mit geschlossener Kabine. Der Viersitzer wurde aus dem im Jahr zuvor entwickelten sechssitzigen Stinson SM-1 Detroiter weiterentwickelt, einem der ersten "Airliner" der Luftfahrtgeschichte.

Stinson wollte durch das Flugzeug den Markt für Privatkäufer erschließen, für die der Sechssitzer zu groß gewesen ist.

Zwischen 1933 und 1941 wurden mehr als 1200 Exemplare der Stinson Reliant gebaut. Neben 10 zivilen Hauptvarianten gab es zahlreiche militärische und zivile Untervarianten, die sich in erster Linie durch die verschiedenen eingebauten Motoren unterschieden haben.

Die SR-5 NC14163 aus dem Jahr 1934 hat ein sehr luxuriöses und gepflegtes Innenleben. Der gute Zustand des klassischen amerikanischen Reiseflugzeuges wurde in Oshkosh mit einem Preis geehrt.

Rollen wir das Feld von Hinten auf: Seit einigen Jahren werden die klassischen Waco Doppeldecker wieder gebaut. Die jetzige Firma http://www.wacoaircraft.com/ steht allerdings in keinem Zusammenhang mit dem damaligen Flugzeugbauer.

Zwischen 1919 und 1947 baute die damalige Firma Waco in Ohio mehr als 100 verschiedene Doppeldeckertypen mit offenem und geschlossenem Cocpit. Eine gute Übersicht der unterschiedlichen Muster finden Sie hier, http://en.wikipedia.org/wiki/Waco_Aircraft_Company

Die Waco S3HD blieb ein Einzelstück. Geplant war sie 1934 als "Mehrzweckmilitärflugzeug". Seit Mitte August diesen Jahres ist John Ricciotti aus New-Hampshire der neue stolze Eigentümer der N14048.

Die Waco ASO war die mit einem 220 PS starken Wright J-5 Sternmotor ausgerüstete Variante der Waco 10. Diese Waco 10 war mit zwischen 1927 und 1933 1623 Exemplaren meist gebaute Hauptvariante aller Waco Doppeldecker.

Die Waco CTO N7527 aus dem Jahr 1928 gehört zum Bestand des ortsansässigen EAA Museums und wurde während des Airventure-Meetings im Round Engine Rodeo Bereich präsentiert.

1934 wurde die Waco YKC NS14137 gebaut. Sie erhielt in diesem Jahr den Hauptpreis "Antique Grand Champion ? Gold Lindy" in Oshkosh. Eine wahrhaft perfekt restaurierte Maschine, die in jedem "Concours d'Elegance" für Luftfahrzeuge bestehen könnte. Sie stolzen Eigentümer sind Dave und Jeanne Allen aus Colorado.

Lediglich 40 Exemplare wurden von der Waco UEC gebaut. Sie wurden mit einem Continental R-670 mit 210 PS ausgerüstet. Die NC12472 ist eine von noch 10 in den Vereinigten Staaten registrierten Exemplaren und ist ebenfalls im Pioneer Airport des EAA Museums beheimatet.

Die Waco ARE NC20953 ? sie ist eine von lediglich vier produzierten Exemplaren ? wurde 1939 an eine New Yorker Zeitung geliefert und diente als fliegende Fotoplattform. Dazu wurden extra besonders große Fenster und Vorrichtungen zur Kamerafixierung eingebaut.

Im Jahr 2007 wurde sie nach erfolgter Restauration dem EAA Museum gestiftet.

Zwischen 1925 und 1930 wurden etwa 1300 Exemplare der Travel Air 2000, 3000 und 4000 gebaut. Damit waren diese Flugzeugtypen die mit Abstand erfolgreichsten amerikanische Sportflugzeuge der Zwanziger Jahre. 70 Exemplare sind derzeit noch in den Vereinigten Staaten zugelassen.

Seit 2 Jahren fliegt auch in Deutschland eine Travel Air 4000 http://www.antique-aeroflyers.de/TA4000.htm

Die Ford 5-AT Trimotor wurde zwischen 1926 und 1933 produziert und fand weltweite Verwendung als Passagierflugzeug. Dass die 199 gebauten Exemplare in mehr als 20 Varianten gebaut worden sind, zeigt deutlich, dass es damals mehr Manufaktur als industrielle Massenfertigung in der amerikanischen Luftfahrt gegeben hat.

Bis heute haben tatsächlich 18 Exemplare der robusten Konstruktion ? meist in den Vereinigten Staaten - überlebt, wovon sogar noch 8 Maschinen zugelassen sind.

Für nur 75 US$ konnten die Besucher des Airventure-Meetings in einer Ford Trimotor in die Luft steigen ? ein wirklich traumhaftes Erlebnis!

Die NC8407 gehört seit 1985 zum Bestand des Pioneer Airport. Die Besucher des EAA Museums haben also auch sonst immer die Möglichkeit, in Oshkosh einen Rundflug in diesem urigen Hochdecker zu unternehmen.
Hier geht's weiter zu >>>Teil 3
 

 

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